Vor dem Hintergrund des turbulenten Jahres 1968 und der 4. documenta im selben Jahr erörtern die Künstlerin Mary Zygouri und die Kunsthistorikerin Irene Gerogianni das Werk von Maria Karavela (1938–2012), einer der bedeutendsten Vertreterinnen der griechischen Performancekunst, die vor allem für ihre hochpolitischen historischen Aufarbeitungen bekannt wurde. Thema des Gesprächs ist unter anderem die zeitgenössische Neubearbeitung eines ihrer komplexesten Werke durch Mary Zygouri.
Performancekunst fehlte auf der 4. documenta weitgehend, ebenso wie eine Anerkennung der gesellschaftlichen Umwälzungen, die zu dieser Zeit rund um die Welt an Bedeutung gewannen. Die Ausstellung fand gleichzeitig mit – aber so gut wie unberührt von – den Studentenunruhen und anderen gesellschaftspolitischen Protesten statt. Sie war überschattet von einer inneren Krise, im Zuge derer mehrere Gründungsmitglieder die Institution verließen.
In dem performativen Vortrag an einer öffentlichen Schule in der Region Nikaia sprechen Gerogianni und Zygouri über die Geschichte von Kokkinia 1979, einem der bekanntesten Werke von Maria Karavela, das sich mit der Geschichte der griechischen Widerstandsbewegung und des griechischen Bürgerkriegs befasste. Die Vortragenden verlagern den Blickpunkt von den Leerstellen der 4. documenta hin zu Karavelas eindrücklicher Präsenz inmitten aktivistischer Kunstpraktiken der damaligen Zeit. Zudem werden sie anhand von Zygouris eigenem Projekt The Round Up (2017) die politische Bedeutung von Karavelas Arbeit im Zusammenhang mit Griechenland und dem heutigen Kontext der Krise herausarbeiten.
Die Teilnehmerinnen werden von Marina Fokidis, Kuratorische Beraterin der documenta 14, vorgestellt.
Die Veranstaltung findet auf Griechisch statt. Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung nicht übersetzt wird.
In Kollaboration mit der Stadt Nikaia–Ag. Ioannis Rentis.
Irene Gerogianni ist Kunsthistorikerin und Museologin. Sie ist zurzeit Doktorandin am Institut für Architektur der Aristoteles-Universität in Thessaloniki und erforscht dort die erste Welle der Performancekunst in Griechenland. Gemeinsam mit Christopher Marinos und Bia Papadopoulou hat sie 2015 das Buch Maria Karavela heraugegeben. Sie lebt und arbeitet in Athen.
Mary Zygouri arbeitet mit unterschiedlichsten Methoden, die stets von der Performance ausgehen. Ihre Aktionen sind akribisch und gründlich vorbereitet und finden zumeist im öffentlichen Raum statt, wo sie die kritische Mitwirkung der Betrachter einfordern und oft zu unvorhersehbaren Ergebnisse führen. In den vergangenen zehn Jahren ist Zygouri als Performancekünstlerin weithin in Europa aufgetreten, unter anderem am Dutch Art Institute, an der Istanbuler Stiftung für Kultur und Kunst (IKSV) und an der Cittadellarte-Fondazione Pistoletto. Sie lebt und arbeitet in Griechenland und Italien.